Hundepflege im Sommer

Hundepflege im Sommer: Thermoregulation, Hotspots und Pfotenschutz (2026)

Hundepflege im Sommer: Mehr als nur Abkühlung

Viele gut gemeinte Pflegemaßnahmen im Sommer können den gegenteiligen Effekt haben. Das häufigste Missverständnis: Der gut gemeinte Sommerhaarschnitt der den Hund kühler machen soll – aber ihn bei bestimmten Rassen tatsächlich wärmer macht und seine Haut schutzlos UV-Strahlung aussetzt. Hundepflege im Sommer erfordert rassen- und felltyp-spezifisches Wissen statt gut gemeinter Annahmen.

Dieser Guide erklärt die Physik der Thermoregulation durch Fell, welche Sommerpflege wirklich hilft, wie Hotspots entstehen und verhindert werden, und was nach Badesessions in See, Pool oder Meer unbedingt zu tun ist.

1. Thermoregulation: Wie Fell vor Hitze schützt – und warum das überrascht

Hunde schwitzen nicht über die Haut – ihre Schweißdrüsen sitzen fast ausschließlich an den Pfoten. Die Hauptkühlmethode ist das Hecheln: Feuchtigkeit verdunstet aus Maul und Atemwegen und kühlt den Körper. Das Fell ist dabei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung.

Das Doppelfell von Rassen wie Husky, Golden Retriever oder Labrador funktioniert wie eine Isolierschicht in beide Richtungen: Im Winter hält es Wärme, im Sommer hält es die Körperwärme innen und die Außenhitze draußen. Luft die zwischen Deckhaar und Unterwolle eingeschlossen ist, isoliert. Wird das Fell durch Scheren entfernt, verliert die Haut diesen Schutzmantel – sie ist direkter Sonneneinstrahlung und Hitze ausgesetzt.

Das Ergebnis: Geschorene Doppelfell-Rassen können sich im Sommer tatsächlich schneller überhitzen als ungeschorene. Zusätzlich erhöht sich das Sonnenbrandrisiko erheblich – Hunde mit kurz geschorenem Fell auf dem Rücken können innerhalb von Minuten im direkten Sonnenlicht Verbrennungen entwickeln.

⚠️ Doppelfell-Rassen nie im Sommer scheren

Golden Retriever, Labrador, Husky, Berner Sennenhund, Schäferhund und alle anderen Doppelfell-Rassen dürfen im Sommer nicht geschoren werden. Das Fell schützt vor Überhitzung und UV-Strahlung. Wer seinen Doppelfell-Hund im Sommer pflegen möchte: regelmäßiges De-Shedding mit dem Unterwollrechen für optimale Luftzirkulation.

2. Scheren im Sommer: Wann Hundepflege im Sommer das Scheren sinnvoll macht

Bei Haarrassen ohne Doppelfell – Pudel, Malteser, Havaneser, Goldendoodle, Yorkshire Terrier – ist ein kürzerer Sommerschnitt tatsächlich sinnvoll. Diese Rassen haben kein natürliches Isoliersystem das durch Scheren beschädigt wird. Ein Puppy Cut auf 3–5 cm im Sommer reduziert die Verfilzungsneigung bei Hitze und Feuchtigkeit erheblich und macht das Baden nach dem Schwimmen deutlich einfacher.

Die Grenze ist auch hier: Nicht unter 3 cm. Auch bei Haarrassen schützt eine minimale Haarlänge die empfindliche Haut vor direkter UV-Strahlung. Besonders der Rücken und die Ohrmuscheln sind bei kurz geschorenen Hunden sonnenbrandgefährdet.

3. Hotspots im Sommer: Entstehung und Prävention bei der Hundepflege im Sommer

Hotspots (feuchte Dermatitis) sind im Sommer deutlich häufiger als in anderen Jahreszeiten – aus einem einfachen Grund: Feuchtigkeit kombiniert mit Hitze ist das ideale Milieu für die Bakterien die Hotspots verursachen. Schwimmen, Regen, Schwitzen an den Ballen, feuchte Unterwolle nach dem Bad – jede Quelle chronischer Feuchtigkeit im Fell kann einen Hotspot auslösen.

Besonders gefährdet sind Doppelfell-Rassen bei denen die Unterwolle feucht bleibt während das Deckhaar außen trocken wirkt. Der Besitzer sieht ein trockenes Fell – darunter ist die Haut feucht und die Unterwolle nass. Diese versteckte Feuchtigkeit ist die häufigste Sommer-Hotspot-Ursache.

Prävention bei der Hundepflege im Sommer:

  • Nach jedem Schwimmen den Hund vollständig trocknen – besonders die Unterwolle. Ohne Blower bei Doppelfell-Rassen ist das sehr zeitaufwändig aber wichtig.
  • Regelmäßiges De-Shedding hält die Unterwolle dünn und verbessert die Luftzirkulation direkt an der Haut.
  • Feuchte Stellen im Fell sofort trocknen – besonders hinter den Ohren, in der Achsel und am Rutenansatz.
  • Bestehende Hotspots sofort zum Tierarzt – sie wachsen innerhalb von Stunden.

4. Pfotenpflege im Sommer: Der 7-Sekunden-Test

Asphalt und Sand erhitzen sich im Sommer auf Temperaturen die für Hundepfoten lebensgefährlich sind. Bei 30°C Lufttemperatur kann Asphalt über 60°C heiß werden. Der vollständige Guide zum Pfotenpflege beim Hund erklärt alle Details. Das Wichtigste für den Sommer:

Der 7-Sekunden-Test: Halte deinen Handrücken flach auf den Asphalt. Kannst du 7 Sekunden aushalten? Wenn nicht: zu heiß für deinen Hund. Spaziergänge auf Asphalt nur morgens (vor 9 Uhr) oder abends (nach 19 Uhr). Rasen, Waldwege und Erdpfade sind sichere Alternativen.

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5. Nach dem Schwimmen: See, Pool und Meer bei der Hundepflege im Sommer

Schwimmen ist für die meisten Hunde pure Freude – aber die Nachsorge ist bei der Hundepflege im Sommer entscheidend:

Nach dem Seebad

Seen enthalten Algen, Bakterien und manchmal Blaualgen (Cyanobakterien) die für Hunde giftig sind. Nach dem Seebad immer mit klarem Wasser abspülen – nicht nur die Pfoten, sondern den ganzen Körper. Fell vollständig trocknen um Hotspot-Bildung zu verhindern. Bei bekannten Blaualgen-Seen: Schwimmen komplett verbieten.

Nach dem Poolbad

Chlor und Poolchemikalien können bei häufigem Kontakt die Haut austrocknen und reizen. Nach dem Poolbad immer mit klarem Wasser abspülen. Augen mit lauwarmem Wasser spülen wenn der Hund viel untergetaucht war. Häufige Poolsessions: Lachsöl als tägliche Ergänzung unterstützt die Hautbarriere.

Nach dem Meerbad

Salzwasser zieht der Haut Feuchtigkeit und dem Fell seine natürlichen Öle. Nach dem Meerbad immer mit Süßwasser abspülen und mit milder Pflegelotion oder Pfotenbalsam nachversorgen. Hunde die am Meer viel Salzwasser trinken entwickeln schnell Salzvergiftungssymptome – immer ausreichend Frischwasser bereitstellen.

6. UV-Schutz für Hunde im Sommer

Sonnenbrand beim Hund ist keine Seltenheit – besonders bei kurz geschorenen Rassen, bei Hunden mit hellem Fell oder dünner Ohrmuschelhaut und bei Hunden mit rosa unpigmentierter Nase. Besonders gefährdete Stellen: Nasenrücken, Ohrenränder, Bauch (wenn der Hund auf dem Rücken liegt), und der Rücken bei kurz geschorenem Fell.

Für gefährdete Hunde: Spezielle Hunde-Sonnencreme (kein menschliches Produkt – viele enthalten Zink oder Titandioxid in Konzentrationen die für Hunde giftig sind) auf die empfindlichen Stellen auftragen. Mittagssonne zwischen 11 und 16 Uhr meiden. Schattige Spaziergangswege bevorzugen.

7. Sommer und Parasiten: Was Hundepflege im Sommer beachten muss

Der Sommer ist die Hochsaison für Parasiten – und regelmäßiges Bürsten und Fell-Kontrolle ist die wichtigste Präventionsmaßnahme:

  • Zecken: Nach jedem Spaziergang in Wiesen oder Wald absuchen – besonders Ohren, Hals, Achseln, Leistengegend, zwischen den Zehen. Zecken so früh wie möglich entfernen reduziert das Übertragungsrisiko von Borreliose und FSME.
  • Flöhe: Häufige Haustiere in warmen Monaten stark aktiv. Wöchentlicher Fell-Check – auf Flohkot (schwarze Pünktchen die sich auf feuchtem Papier rötlich auflösen) achten.
  • Grasmilben (Erntemilben): Ab August in Wiesen und Gärten aktiv. Verursachen intensiven Juckreiz besonders an Pfoten und Bauch. Befallene Stellen erscheinen orange bestäubt – das sind die Milben selbst. Tierarzt aufsuchen.

8. Angepasste Sommerpflegeroutine bei der Hundepflege im Sommer

Die Sommerpflegeroutine unterscheidet sich von der Winterroutine in drei Kernpunkten:

  • Häufigeres De-Shedding bei Doppelfell-Rassen – die Unterwolle dünn halten verbessert Luftzirkulation und reduziert Hotspot-Risiko
  • Pfotenbalsam täglich vor dem Sommermorgenspaziergang – Hitzeschutz für die Ballen
  • Gründlicheres Trocknen nach Badesessions – Hotspots entstehen durch feuchtes Fell, nicht durch das Schwimmen selbst

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✅ Das Wichtigste zur Hundepflege im Sommer
  • Doppelfell-Rassen NIE scheren – Fell schützt vor Überhitzung und UV-Strahlung
  • 7-Sekunden-Asphalt-Test: Zu heiß für dich = zu heiß für Hundepfoten
  • Nach dem Schwimmen immer mit klarem Wasser abspülen und vollständig trocknen
  • De-Shedding häufiger als sonst – dünne Unterwolle = bessere Luftzirkulation
  • Täglich nach Zecken suchen – besonders Ohren, Achseln, Leistengegend
  • Hotspots entstehen durch feuchtes Fell – sofort trocknen nach dem Schwimmen
  • Haarrassen (Pudel, Doodles): kürzerer Sommerschnitt ist sinnvoll

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